„dumme Universitäten“ – Wilke 1997

Angeregt durch einen Artikel in der ZEIT bin ich auf einen Kommentar des Soziologen Helmut Willke  zu „dummen Universitäten“ gestoßen:

 „Die europäischen Universitäten sind ein Hauptbeispiel für dumme Organisationen, in denen – so sollte man annehmen können – leidlich intelligente Menschen arbeiten. Dumm sind sie, weil ihre organisationale Intelligenz bestenfalls aufder Stufe der Humboldtschen Reformen stehen geblieben ist. Sie schaffen es nach wievor nicht, institutionelle Regelsysteme, Anreizsysteme und organisationale Karrieremuster zu etablieren, welche aus der Summekonkurrierender Einzelkämpfer,isolierter Individuen und „einsamer“ Forscher vernetzte Gemeinschaften kooperierender Gruppen, Teams oder Projekte bilden würden.“

http://www.uni-bielefeld.de/soz/globalgov/Lit/Willke_Dumme_Unis.pdf, 27.04.2013, Text von 1997

Im Kontext von COER13 frage ich mich gerade: Sollte sich seit 1997 nicht viel geändert haben und diese Analyse auch einen Teil der Umsetzungsprobleme von OER an Hochschulen erklären?

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3 Gedanken zu „„dumme Universitäten“ – Wilke 1997

  1. Leider ist der Kommentar von Helmut Willke heute noch genau so wahr wie bei seiner Entstehung (und davor). Allerdings bin ich der Meinung, dass die mangelnde Bereitschaft eigene Werke Anderen zur Verfügung zu stellen, eher personenzentriert ist. So hat die persönliche Sichtweise einen höheren Einfluss auf das zur Verfügung stellen von eigenen Werken.
    Zu den Umsetzungsproblemen von OERs gehört für mich die eigentliche Philosophie, die hinter dem Urheberrecht steht. Im Besonderen meine ich die Vorstellung, dass „kreative“ Werke nur entstehen können, wenn die Rechte daran geschützt werden. Folglich versucht das Urheberrecht die Nutzungs- und Verwendungshoheit von Werken und Leistungen für den Schöpfer (ggf. auch Rechteinhaber, Vertreter u.Ä.) zu sichern. Im gleichen Maße, wie die Verbreitung von OERs durch diese Grundhaltung erschwert wird, sorgt sie dafür, dass diese realisiert werden kann. Denn als Schöpfer kann man hierdurch die weitere Verwendung bestimmen und eben festlegen, dass mein Werk eine OER sein soll. Dieser „Zwiespalt“ wird unterfüttert mit den unterschiedlichen Positionen der Urheberrechtsdebatten und äußert sich in der Verwirrung der heutigen Netzgesellschaft.
    Überdies muss ich auch sagen, dass die Gemeinde derer, die sich einen gesellschaftlich adäquaten Umgang mit Wissen und Informationen wünschen, nicht „gemeinsam“ auftritt, sondern an unterschiedlichen Fronten tätig ist. So versuchen unterschiedlichste Bewegungen, Initiativen, Interessengruppen u.Ä. wie Open Access, Open Source und eben OER ein ähnliches Ziel auf anderen Wegen zu erreichen. In diesem Kontext wäre die Redewendung „divide et impera“ nicht unangebracht.

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